Mutter Erde, Vater Himmel, Großmutter Mond und Großvater Sonne: so einfach, liebevoll und "familiär" betrachten die Indianer die irdischen und himmlischen Gegebenheiten, in die der Mensch zwangsläufig eingebettet ist. Die Tatsache, dass dieses naturverbundene Volk die Erde als die große Mutter aller Menschen betrachtet, setzt schon voraus, dass der Umgang mit ihr ehrfürchtig, respektvoll, aber auch herzlich und gefühlsbetont erfolgen sollte. Denn welches liebende Kind würde seine Mutter misshandeln, ausbeuten und vergiften? So sind die Indianer stets bestrebt, im Einklang mit der Natur, ihren Elementen und Kräften zu leben. Im Gegensatz zu den "Weißen", die die Naturgesetze zur Befriedigung ihrer Ego-, Sicherheits- und Wohlstandsbedürfnisse kurzsichtig und unüberlegt missachten. Langfristig wäre es wohl wünschenswert, wenn die Botschaft der Indianer die "Weißen" dazu animieren könnte, das Denken mehr vom Kopf ins Herz zu verlagern ...
Der Kreislauf der Natur
Den immer wiederkehrenden Jahreszyklus der Natur, der sich aus dem (scheinbaren) Lauf der Sonne um die Erde ergibt, könnte man als die Grundlage der indianischen Astrologie bezeichnen und genaugenommen ist dies auch in der klassischen Astrologie des "Weißen Mannes" der Fall. So gravierend ist der Unterschied also nicht - bis auf den bereits erwähnten: Die Indianer sehen die Astrologie (dem Herzen folgend) sehr naturverbunden, die "Weißen" eher kopfbetont, rational bis wissenschaftlich.
Der astrologische Tierkreis der Indianer wird auch Erdrad oder Medizinrad genannt. Durch die intensive Beobachtung und Einbeziehung des stetigen Wandels der Natur, ist die indianische Astrologie in der Tat sehr "erdnah". Darüber hinaus sieht sie im jahreszeitlich bedingten Rhythmus der Natur das Mysterium des (ewigen) Lebens widergespiegelt. Deshalb gehe ich auch auf diesen endlos sich wiederholenden Kreislauf der Natur in einem gesonderten Kapitel ein.
Der Begriff Medizinrad ist, wie meistens bei den Indianern, ebenso einfach wie treffend und von Herzen einleuchtend... Denn unter Medizin verstehen sie nicht einfach nur eine Arznei, die im Krankheitsfalle benötigt wird. Im übertragenen Sinne bedeutet Medizin: ,,etwas, das den Menschen ganz, heil und vollkommen macht". Und das müssen natürlich nicht bittere Tropfen oder Pillen sein. Die Medizin kann ein bedeutungsvoller Gegenstand (wie Erinnerungsstücke, Federn, Steine, usw.), ebenso auch Ideen, Visionen, Träume und Taten sein, die dem Mensch auf seinem Weg zur Vollkommenheit hilfreich sind. Schließlich kann also auch der Tierkreis eine wertvolle Medizin sein, denn jedes der zwölf Tiere symbolisiert eine bestimmte Entwicklungsstufe im Kreislauf der Natur, bzw. im Rhythmus des Lebens und bietet damit wertvolle Hinweise darauf, wo sich ein Mensch auf seiner "großen Reise" gerade befindet und worauf er besonders achten muss.
Das Totem
Totem bedeutet bei den Indianern soviel wie "Zeichen". Um die Qualität (oder kosmisch-natürliche Prägung) eines Charakters bzw. Zeitabschnittes zu bestimmen, wurde jeder Monat (die Indianer würden sagen: jeder "Mond"), der den Lauf des Jahres sowie den Kreislauf der Natur beschreibt, einem bestimmten Tier zugeordnet. Es handelt sich hierbei um das Tier- oder Geburtstotem. Aus der Abstufung der Lebensformen - Mineral, Pflanze, Tier und Mensch - wird deutlich, dass dem Mensch das Tier am nächsten steht. Und in der Tat können bei Tieren Verhaltensformen erkannt werden, die die erwähnte Natur- und Charakterqualität versinnbildlichen. So erschufen die Indianer ihren Tierkreis.